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Über den Zeitgeist

Zeitepoche und Ort auf der Erde bestimmen das Wertesystem, die Vorstellungen und Maßstäbe, die Weltanschauung des Individuums: Den Zeitgeist (und den „Ortsgeist”). Wir werden in ihn hineingeboren. Man spricht – abhängig von der persönlichen Färbung der Gesinnung – von der Tradition oder von gesellschaftlichen Zwängen. Es sind die Bilder und Vorstellungen, in denen wir von Geburt an zu leben gelehrt werden von unseren Eltern und allen Miterziehern. In der heutigen Zeit gibt es sogar die Möglichkeit, offiziell erlaubt „Antibilder” zu erschaffen und zu proklamieren, wir haben ja eine Demokratie, wird mancher sagen. Die Erschaffer der Antibilder sind dann die Aussteiger. Die tolerierten Aussteiger und Außenseiter gehören immer zum Gesamtbild einer Zeit. Es handelt sich nicht um eine Erfindung des jetzigen Zeitgeistes. Das Außenseitertum dient der inneren Stabilität der „Zeitgeist-Gesellschaft”. Anders verhält es sich mit den explizit Ausgestoßenen. Sie stehen außerhalb der jeweiligen „Zeitgeist-Gesellschaft”. Auch sie dienen der Definition des Zeitgeistes. Sie sind notwendig für ein klares Festlegen der Grenzen. Veränderung des Zeitgeistes findet über die Jahrhunderte hinweg statt. Veränderung muss immer wieder stattgefunden haben, sonst hätten wir heute denselben Zeitgeist wie vor 4000 Jahren. Es findet eine Veränderung von Wertesystemen, Vorstellungen und Maßstäben und Bewertungskriterien, sprich von Weltanschauungen, statt in Form von Umwälzungen, die in der Regel die Zeitspanne eines Menschenlebens übersteigen. Das Individuum per se hängt sehr an einer einmal bestehenden Weltanschauung. Sie ist sein einziges für ihn vorstellbares Bezugssystem. Daher finden Veränderungen von Weltanschauungen meist frühestens durch einen Generationenwechsel statt. Wie alle anderen Bilder des Menschen auch entsteht das Bild von den regelgerechten Funktionen des Körpers und deren Anomalien immer auf der Grundlage des momentan herrschenden Zeit- und Ortsgeistes.